Abbvie stellt den Vertrieb der HIV-Medikamente Kaletra (Lopinavir/Ritonavir) und Norvir (Ritonavir) voraussichtlich bis Sommer 2027 ein. Apotheken sollen betroffene Patienten laut Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) angemessen zum Sachverhalt informieren.
Die Proteaseinhibitoren Lopinavir und Ritonavir werden im Rahmen der Behandlung von HIV-1-Infektionen eingesetzt. Laut Hersteller ist die Nachfrage nach beiden Präparaten aber aufgrund der deutlichen Weiterentwicklung der HIV-Therapie zurückgegangen.
Betroffen sind bei Kaletra die Filmtabletten à 100 mg/25 mg und 200 mg/50 mg sowie die Lösung à 80 mg+20 mg/ml. Bei Norvir gibt es Filmtabletten und ein Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen mit jeweils 100 mg.
Abbvie stellt die Vermarktung und den Vertrieb seiner HIV-Produkte ein und nimmt die Produkte in allen Märkten, in denen sie zugelassen sind, schrittweise vom Markt.
Seit der Zulassung von Norvir im Jahr 1996 und Kaletra im Jahr 2001 in Europa wurden zahlreiche neue Arzneimittel zugelassen. Diese innovativen Therapien sind heute in nationalen und internationalen Behandlungsleitlinien verankert und haben den klinischen Bedarf an den älteren HIV-Produkten laut Abbvie erheblich reduziert. Zudem habe man bereits 2020 die globalen Patente für Norvir und Kaletra freigegeben.
Um die Kontinuität der Versorgung für Patientinnen und Patienten zu gewährleisten, sollen die Ärztinnen und Ärzte die aktuellen Behandlungsleitlinien prüfen und verfügbare klinische Ressourcen heranziehen, da die Situation jedes einzelnen Patienten unterschiedlich ist. Die AMK bittet auch Apothekerinnen und Apotheker, betroffene Patienten angemessen zum Sachverhalt zu informieren.
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